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Schlaganfall: Vom 1. Tag an Physiotherapie

Jedes Jahr erleiden rund 200.000 Deutsche einen Schlaganfall, meist ausgelöst durch eine Arterienverkalkung. Aufgrund einer Mangeldurchblutung wird ein Teil der Gehirnzellen unwiederbringlich zerstört, ein anderer in seiner Funktion beeinträchtigt. Es kommt meist zu halbseitigen Bewegungsstörungen, zu Wahrnehmungs- und Kommunikations­­störungen. Obwohl sich die zerstörten Nervenzellen nicht mehr regenerieren können, ist das menschliche Gehirn in der Lage, sich neu zu organisieren und Hirnfunktionen wieder anzubahnen. So kann z. B. Bewegung über das motorische Gedächtnis wiedererlernt werden. Dafür müssen dem Gehirn möglichst schnell nach dem Schlaganfall viele vielfältige Reize geboten werden, um eine natürliche Bewegung als Reizantwort auszulösen. Je früher die Physiotherapie einsetzt, desto größer sind die Chancen, dass sich z. B. die Halbseitenlähmung bessert und zurückbildet. Der Therapiebeginn sollte daher umgehend nach Abschluss der ärztlichen Akutversorgung erfolgen, vom ersten Tag an. Selbst wenn der Patient noch bettlägerig ist, können die Hirnareale bereits durch Bewegung oder auch Druck stimuliert werden.

Die Folgen eines Schlaganfalls sind oft schwerwiegend: Lähmungen, Sprach- und Schluckstörungen, Verlust des Gleichgewichtgefühls und der Orientierungsfähigkeit. In der Regel sind Lähmungserscheinungen auf eine Körperseite beschränkt. Hier stellt sich zunächst eine schlaffe Lähmung ein, die dann häufig in eine zunehmende übermäßige Muskelspannung – auch Spastik genannt – übergeht. Diese Spannung führt dazu, dass die Muskeln einer Bewegung Widerstand entgegensetzen und Alltagsbewegungen unmöglich werden. Mit regelmäßiger krankengymnastischer Bewegungs­therapie kann man die Muskelspannung regulieren. Hierfür ist es jedoch notwendig, besonders die gelähmten Körperabschnitte zu stimulieren. Damit unterstützt Physiotherapie die Umorganisation im Gehirn, so dass intakt gebliebene Gehirnstrukturen die motorischen Funktionen der zerstörten Areale übernehmen. Dies ist möglich, da das Gehirn lebenslang fähig ist, neue Nervenverbindungen zu knüpfen.

Bei einem gesunden Menschen läuft Bewegung automatisch ab. Nach einem Schlaganfall müssen Betroffene wichtige Bewegungsabläufe jedoch wieder neu erlernen. Physiotherapie kann dem Patienten helfen, gespeicherte Bewegungsmuster wieder zu aktivieren. Ziel der Behandlung ist es, eine bessere Kontrolle über alltägliche Bewegungen zu ermöglichen. Konkret heißt dies, dass der Patient die richtige Körperhaltung und das Gleichgewicht wiedererlangt, eine zu hohe Muskelspannung reguliert wird und physiologische Bewegungsabläufe angebahnt werden. Hierfür setzt der Physiotherapeut meist Techniken der Therapien Bobath, Vojta oder PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) ein.

In der Frührehabilitation müssen vor allem vitale Funktionen wie Atmung und Kreislauf gefördert werden. Dies geschieht z. B. durch regelmäßige Lagerungswechsel oder Atemtherapie. Später kann der Therapeut dann die Bewegungsmuster konkret mit Sitzübungen zur Gleichgewichtsverlagerung, dem Stehen auf verschiedenem Untergrund, einer Gangschulung auf dem Laufband oder beim Treppensteigen anbahnen. Ziel der Behandlung ist es, eine bessere Kontrolle über alltägliche Bewegungen zu ermöglichen und eine größtmögliche Selbstständigkeit herzustellen.

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